Bericht vom Meetup Kunstwerk Mensch = Kapital

Bericht vom Meetup Kunstwerk Mensch = Kapital vom 26.4.2019

Wo Reibung entsteht, da entsteht auch Wärme
Zwei Pole treffen aufeinander

Wirtschaft und Kunst, Rationalität kontra Intuition?

In unserem Meetup Kunstwerk Mensch = Kapital vom 26.4.2019 haben wir die Bedeutung der Kunst für unsere Wirtschaft herausgearbeitet. Kunst und Wirtschaft kommen auf Augenhöhe miteinander und ergreifen ihre gemeinsame Gestaltungsverantwortung für unsere Welt. Die Kunst ist im Kern ein unerlässlicher Impulsgeber für unsere Lebens- und Arbeitsprozesse. Aktuell existieren die beiden Positionen Kunst und Wirtschaft quasi getrennt voneinander. Die Wirtschaft arbeitet Ziel- und Marktorientiert und lebt von der Rentabilität, während die Kunstschaffenden in ihrem Schaffensprozess aus Sicht der Wirtschaft losgelöst von der Gesellschaft in eigenen Sphären zu schweben scheinen. Zwei Pole. Rationalität kontra Intuition. Auf beiden Seiten großes Unverständnis.

Aktuelle Situation der Kunstschaffenden

Während der Wirtschaftsunternehmer bei geschickter Kalkulation jede Stunde seiner Arbeitszeit monetär ausgezahlt bekommt, bringt ein Großteil aller Bildenden KünstlerInnen Kunstwerke in der Hoffnung auf späteren Ruhm und monetären Umsatz zu Dumpingpreisen oder gar unentgeltlich, im schlimmsten Fall gegen Bezahlung auf den Markt. Auch der Künstler steht also mindestens mit einem Bein in unserem Wirtschaftssystem. Die Nachfrage nach Kunst ist da. Eine Bereitschaft, Kunst zu bezahlen bleibt jedoch verhalten. Mit viel Glück gibt es für die Kunst Stipendien oder Preise und eine gnädige Galerie, die bereit ist, künstlerische Werke gegen Abgabe von bis zu 70% vom Verkaufserlös auszustellen. Neuerdings werden auch Galeriebeiträge und Gebühren für die Bewerbung auf Preise verlangt. Ein Großteil unserer KünstlerInnen in Deutschland lebt im Bettelstatus, obwohl die Gesellschaft Kunst braucht. Die sogenannte Freiheit Kunstschaffender ist hier ein fragwürdiges Wort, denn frei ist nur, wer sich auch bewegen kann und Bewegung kostet immer Geld. Ideelle Werte treiben KünstlerInnen wegen höherer Bestimmung an. Schaffen aus Leidenschaft. Dass das Kunstschaffen auch ganz einfach Arbeit ist, vergleichbar mit anderen kreativen Berufen, wie dem des Designers, kommt eher selten zur Sprache. Schließlich gibt doch dafür sogar einen Berufsverband. Die BBK-Vorstandsvorsitzenden Almuth Leib, Dirk Engelchen und Sidika Kordes haben es sehr treffend auf den Punkt gebracht. „Die Gesellschaft erwartet, dass Kunstschaffende in Armut leben, sonst ist es keine echte Kunst“. Das Familienleben gehört offensichtlich nicht in ein Künstlerleben. Die Kunst ist das Kind.

Was ist mit der Wirtschaft los?

Auf leisen und lauten Sohlen dient die Kunst der Wirtschaft indirekt als kreativer Impulsgeber. Die meisten KünstlerInnen gehen leer aus und können ohne Altersvorsorge gerade so überleben (gerade mal 25 % verzeichnen einen Umsatz von bis zu 25.000 EUR im Jahr. Nur 1% profitiert vom Sammlertum mit mehr als 100.000 EUR per anno). Unsere Wirtschaft profitiert längst indirekt vom künstlerischen Schaffen einiger weniger Mutiger, die freiwillig auf den Profit verzichten, weil sie höhere Ideale im Kopf haben. So viel zur Position der Kunstschaffenden. Was aber ist mit der Wirtschaft los? Rendite, Wachstum, Innovation, Entwicklung, alles Begriffe, die der Künstler kennt aber anders umsetzen würde. „Der Mensch ist das Kapital“, wie es ein serieller Unternehmer aus Frankfurt verstanden hat. Frank Wilhelmi hat Künstler in sein Unternehmen geholt. Und diese Künstler haben (wie Joseph Beuys) erkannt, dass das kreative Potential in jedem Menschen steckt.

Kunst ist Kommunikation

Was macht den Unterschied zwischen einem Künstler und einem Arbeitnehmer? Die Kunst ist frei, der Arbeitnehmer hingegen ist eingebunden in strukturelle Arbeitsprozesse? An dieser Stelle wollen wir einmal festhalten, was die Aufgabe eines Künstlers/einer Künstlerin ist. Er oder Sie ist an erster Stelle Mensch. Er oder Sie hat eine Begabung geerbt. Einen anderen Weg des Sehens und der Kommunikation. Das heisst, es muss auf der anderen Seite einen Empfänger geben, der seine Sprache versteht. Insofern ist der Künstler nur bedingt frei. Weil es bei der Kunst um Kommunikation geht. Und weil die Kunstschaffenden natürlicherweise Teil unserer Gesellschaft sind. Auch monetär gesehen. Es ist ein Trugschluss, dass der Künstler nur für sich selbst arbeitet und nur aus der eigenen Motivation. Wir würden das als Hobby bezeichnen. Also ist eine Auseinandersetzung der Kunstschaffenden mit den Gegebenheiten der Wirtschaft nicht nur gegeben sondern erforderlich.

Sind wir noch gut versorgt?

Wie aber bekommen wir jetzt die Kurve? Was fehlt den Unternehmen tatsächlich? Fehlt überhaupt etwas? Wir sind der Meinung, dass etwas essentielles fehlt, sonst wäre diese Welt nicht unsinniger Weise mit Pastik überschwemmt. In unserem momentanen Zustand dient der Mensch der Wirtschaft und weniger umgekehrt. Die Ursprüge der Wirtschaft liegen doch eigentlich in der Erwartung des Menschen, gut versorgt zu werden. Die Frage lautet also, ob der Mensch noch gut versorgt ist mit steigenden Ausfällen durch Burnout und Mobbing, mit Umweltverschmutzung und mit Klimawandel.

Atmosphärische Führung für eine nachhaltige Gesellschaft

Ralf Wiemann von der Atmospheric Art Gmbh lieferte hier einen interessanten Gesprächsbeitrag zur atmosphärischen Führung. Bestehende Strukturen eines dominanten Führungsstils können durch ein neues Bewusstsein hin zu einem organischen Unternehmen langsam abgelöst werden, wenn jeder Mitarbeiter seine Kompetenzen erkennt und eigenverantwortliches Handeln und Denken erlernt. Kreative Prozesse können bei diesen Veränderungsprozessen helfen. Die Kunst ist auch hier als wichtiger Impulsgeber zu sehen. SIe kann im Bereich der Dienstleistung funktionieren. Künstler|innen können mit Kunst und einem Dikurs über ihre Werke in den Betrieben vor Ort viel erreichen und schrittweise Veränderung bewirken.

Kreativität beginnt im Kopf

Meinen Beitrag zu unserem Meetup habe ich (Kim Kluge, Bildende Künstlerin und Gründerin der Bonnerkunstschule) mit einer plastischen Übung demonstriert. Wie Kreativität im Kopf beginnt. Kreativität ist der Beginn allen Lebens. Bereits zu Beginn der Menschheitsgeschichte haben Menschen ihrem Bedürfnis nach Kreativität an Höhlenwänden Ausdruck verliehen. Viele Entdeckungen, wie z.B. die Erfindung elektrischen Lichts sind Ausdruck eines kreativen Potentials, das in jedem von uns steckt. In der Wirtschaft wird Leistung und Gewinn geachtet und geschätzt aber ausgerechnet dem Grundbaustein allen Lebens, der Kreativität steht auf dem letzten Platz unserer Bedürfnispyramide. Die Kreativität gehört an den Anfang, weil mit ihr alles beginnt, wie uns die Natur zeigt.

Die Kunst als anerkannter Mitgestalter unserer Wirtschaft

In unserem Gesprächskreis wurde sichtbar, wie groß die Sehnsucht nach Veränderung in unserer Wirtschaft ist. Es wurde auch herausgearbeitet, dass eine gegenseitige Anklage zweier Positionen nicht zielführend ist. Wir wollen die Verbindung zwischen KünstlerInnen und UnternehmerInnen herausarbeiten und uns dafür aktiv einbringen. Wie können starre Wirtschaftskonzepte flexibler und menschlicher werden und KünstlerInnen einen Platz als anerkannte Mitgestalter der Wirtschaft finden. Wir suchen nach Wegen für einen fairen Austausch, von dem beide Seiten profitieren können und bei dem beide Seiten die Probleme des anderen erkennen.

Wie es weiter geht

In unserem nächsten Meetup wollen wir konkrete Ansätze erarbeiten, wie dieser Weg aussehen könnte.
Beteiligen Sie sich gern mit Vorschlägen und eigenen Beiträgen auf unserer Meetup Seite Kunst und Wirtschaft.

Wir sind gespannt!

Herzliche Grüße
im Namen unseres Teams
Ihre Kim Kluge

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